Elena Levushkina
Nationalmannschaft, Olympiade, Personalien
21.08.2012
Mit intensiver schachlicher Vorbereitung und Sport als Ausgleich will sie China und Russland den Titel streitig machen…
Die 28-jährige Elena Levushkina zählt mindestens seit der Olympiade vor zwei Jahren zum Stammkader der deutschen Nationalmannschaft der Frauen. Die siebenfache usbekische Mädchenmeisterin lebt seit 2002 in München und promoviert derzeit in Computerlinguistik an der hiesigen Ludwig-Maximilians-Universität.
Unserer Internetredaktion beantwortete sie - wie bisher schon sechs Olympiakader vor ihr - einen kleinen Fragekatalog.
Was für Ziele haben Sie bei der Schacholympiade in der Türkei?
Gutes Schach zeigen, mein Bestes geben und zusammen mit dem Team eine gute Platzierung erreichen.
Wie bereiten Sie sich vor?
Zunächst nach einem anstrengenden Semester im Urlaub entspannen, Sport treiben und den Kopf frei bekommen. Dann geht es mit schachlichen Themen weiter. Viel Aufmerksamkeit wird den Eröffnungen entgegengebracht - ich gehe mein Repertoire durch, schaue mir die neuesten Partien in diesen Varianten an, analysiere Neuerungen, suche nach Verstärkungen. Außerdem versuche ich mir einige neue Systeme anzueignen. Parallel werden Taktikaufgaben zur schnellen Auffassung der taktischen Motive und zur Variantenberechnung gelöst. Und natürlich treibe ich viel Sport. Bei so einem langen Turnier ist die körperliche Fitness sehr wichtig.
Achten Sie eventuell auch auf besondere Ernährung oder treiben Sie Ausgleichssport?
Ich esse grundsätzlich viel Obst und Gemüse, weil ich es gern mag. Regelmäßiger Sport ist wichtig in meinem Alltag. Am liebsten spiele ich Tennis, sonst gehe ich joggen. Wintersportarten wie Skifahren und Schlittschuhlaufen liebe ich.
Sie erfahren erst wenige Stunden vor der Partie, wer Ihre Gegnerin ist. Wie stellen Sie sich in der kurzen Zeit noch auf sie ein?
Die Teampaarung erfährt man bereits am Vorabend. Dann kommen nur zwei mögliche Gegnerinnen in Frage. Ich schaue normalerweise bereits abends an, was beide spielen und wie sie im Turnier liegen. Wenn man morgens die Spielerpaarungen erfährt, hat man sich schon einige Gedanken gemacht und weiß, was einen erwartet. Dann beginnt die konkrete Eröffnungsvorbereitung.
Wen sehen Sie in der Favoritenrolle bei dieser Schacholympiade?
Bei den Männern ist es wie immer Russland. Von der Aufstellung her haben sie meistens eine überlegene Mannschaft. Vielleicht können sie sich diesmal durchsetzen. Auch die jungen zusammengeschweißten Teams von Armenien und Aserbaidschan sowie die letzten Olympiasieger Ukraine haben gute Chancen.
Bei den Frauen werden wahrscheinlich China und Russland den Titel ausspielen. Georgien, Polen, Ukraine, USA und wir werden versuchen ihnen den Sieg streitig zu machen.
Gegen wen würden Sie gerne spielen und warum?
Ich würde gern gegen die Ex-Weltmeisterin Alexandra Kostenjuk vom russischen Team spielen. Ich habe mit 12 Jahren gegen sie schon einmal gespielt und eine furchtbare Niederlage mit einem Figureneinsteller erlitten. Ich würde gern noch ein Mal gegen sie antreten und es dieses Mal anders machen.
Wie sehen Sie die Chancen bei der Schacholympiade für die deutsche Frauen- und die Männermannschaft?
Das Mindestziel beider Mannschaften wird wohl eine einstellige Platzierung sein, was durchaus realistisch ist. Beide wollen natürlich aufs Podest. Nach dem letztjährigen Erfolg der Männermannschaft haben sie bestimmt Appetit auf mehr.
Auch die Frauenmannschaft, die zum ersten Mal ausschließlich mit Großmeisterinnen besetzt ist, kann ganz vorne mitspielen. Gegen Russland und China wird es schwer, aber mit den anderen können wir bei einem guten Lauf mithalten.
Bei der Schacholympiade wird beiden Teams ein Eröffnungstrainer zur Verfügung gestellt. Wie wichtig ist das für Sie?
Trainerhilfe bei der Vorbereitung ist mir sehr wichtig. Auch der Teamkapitän hat uns bisher bei der Vorbereitung sehr geholfen. Doch durch seine vielseitigen Aufgaben hat er nicht die Möglichkeit sich mit unseren Gegnerinnen genauer zu beschäftigen. Mit einem Theorietrainer hoffe ich auf Hilfe bei der Suche nach gegnerischen Schwachpunkten und Auswahl eines geeigneten gezielt gegen diese Schwächen gerichteten Systems.
Wie oft haben Sie schon bei einer Schacholympiade teilgenommen?
Bisher zwei Mal: das erste Mal im Jahr 2000 noch mit dem usbekischen Team; und bei der letzten Schacholympiade 2010 in Chanty-Mansijsk für Deutschland.
Vielen Dank für das Interview!
Veröffentlicht von Frank Hoppe
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