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Deutscher Schachbund - Aktuelle Nachrichten  

Icon Stellungnahme zur Presseerklärung von Arkadij Naiditsch
Präsidium

06.01.2012

1. Die anwaltliche Presseerklärung ist erstmals in einem Ton gehalten, wie er unter zivilisierten Menschen üblich ist. Das begrüße ich. Allerdings muss man die Ausführungen auf http://chesspro.ru/_events/2011/atarov19_tal.html (russisch, veröffentlicht am 28.12.11) bzw. http://whychess.org/node/3633 (englisch) dazu im Zusammenhang betrachten. Dort werden die Funktionäre des DSB in herabwürdigender Weise mit unwahren Behauptungen beleidigt.

In den aktuellen Ausführungen werden die Funktionäre des DSB pauschal als korrupt hingestellt, indem zum Beispiel völlig an der Wirklichkeit vorbei Folgendes behauptet wird (übersetzt):

Wohin fließt das Geld? Sie essen es (im wahrsten Sinne des Wortes) auf. Etwa einmal alle zwei Monate treffen sich 100 Menschen als Vertreter der Föderation und essen in den Hotels“.

Treffen dieser Größenordnung, in dieser Häufigkeit und mit diesem Ablauf gibt es im DSB überhaupt nicht! Durch die verleumderische Behauptung werden auch die Wähler solcher Funktionäre und folglich der gesamte DSB in seinem Ansehen im Ausland schwer beschädigt.

Außerdem verschweigt Arkadij Naiditsch dort, wohl auf die Unwissenheit der ausländischen Leser bauend, die ihm bekannte Tatsache, dass der DSB keine Spielergehälter aus seinen Mitgliedsbeiträgen zahlen kann, weil er damit die notwendige Gemeinnützigkeit verlieren würde.

2. Die Klage, dass Arkadij Naiditsch vor der Entscheidung des Präsidiums am 27.11.11 nicht gehört worden sei, weise ich mich Nachdruck zurück.

Im Vorfeld war vielfach mündlich und schriftlich (auch öffentlich) auf die drohenden Konsequenzen hingewiesen worden, wenn es weiterhin Verstöße gegen elementare Vereinbarungen geben sollte. Arkadij Naiditsch hat zu keinem Zeitpunkt die Personen gehört, über die er sich in der Öffentlichkeit in herabwürdigender Form und mit unwahren Behauptungen geäußert hat. Rechte, die man selber einfordert, sollte man genauso dem Gegenüber einräumen.

Die vom DSB beschlossene Einstellung der Zusammenarbeit zum Auslaufen des Spielervertrags ist keine Strafe, sondern die Feststellung, dass die notwendigen Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr gegeben sind. Grundlage für diese Feststellung waren inhaltlich übereinstimmende, öffentliche Äußerungen sowie mehrere damit übereinstimmende Zeugenaussagen. Es war deshalb keinesfalls erforderlich, Arkadij Naiditsch noch einmal zu hören.

Ergänzen möchte ich, dass sowohl meine letzte Email vom 27.11.11 an Arkadij Naiditsch in der ich die Maßnahme des Präsidiums angekündigt habe, als auch die Terminabfrage von Uwe Bönsch zu einer Aussprache mit der Nationalmannschaft unbeantwortet geblieben sind.

3. Die Behauptung, dass ein Journalist ein Interview in der Zeitschrift „Der Westen“ „völlig falsch gewichtet“ habe, hat mich sowohl wegen der verstrichenen Zeitspanne als auch wegen der inhaltlichen Übereinstimmung der Aussagen mit einem vorangehenden Interview, das auf einer russischen Webseite veröffentlicht worden war, überrascht.

In der Schach-Zeitung 1/2012, S. 26 ist in einem Interview mit Martin Rieger folgender Dialog erschienen:

Frage (Martin Rieger): Der neue DSB-Präsident Herbert Bastian behauptet ja auf der Webseite des Deutschen Schachbundes in der Rubrik „Sie fragen, wir antworten“, dass Journalisten mit „provozierenden Fragen aus Interviews das Passende heraussuchen und mit einer einhergehenden Instrumentalisierung unserer Nationalspieler gegen gewählte Funktionäre oder Angestellte (und leider oft auch gegen sich selbst) ihr persönliches Zerrbild transportieren!“ (Zitat Herbert Bastian) Fühlen sie sich persönlich instrumentalisiert oder wird hier von den eigentlich wichtigen Fragen und Problemen abgelenkt?

Antwort: „Von einer Instrumentalisierung möchte ich nicht sprechen, allerdings sollten Spontanäußerungen auch nicht überbewertet werden“.

Ich hätte mir schon damals gewünscht, dass Arkadij Naiditsch die von mir angebotene „Goldene Brücke“ erkennt und überschreitet!

4. Ich möchte ausdrücklich feststellen, dass auch ich der Meinung bin (wie einige meiner Kollegen im DSB), dass viele der von Arkadij Naiditsch angesprochen Kritikpunkte berechtigt sind und dass seine geäußerte Kritik im DSB Bewegung in die richtige Richtung mit verursacht hat.

Die DSB-Führung hat sich (schon vor meiner Amtszeit) dieser Kritik ohne Ausnahme gestellt und nach bestem Wissen und Gewissen versucht, in allen berechtigten Punkten Verbesserungen herbeizuführen.

Deshalb ist es umso unverständlicher und nicht tolerierbar, dass weiterhin Personen in der Öffentlichkeit angegriffen werden, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Das Präsidium des DSB hat für diese öffentliche Schlammschlacht keinerlei Verständnis mehr!

5. Die Behauptung, dass einige der DSB-Funktionäre nicht an einer Klarstellung interessiert waren, weise ich mit Nachdruck zurück.

Ich hatte in den letzten Monaten mit allen Betroffenen intensive Gespräche und möchte feststellen, dass ich es genau umgekehrt in Erinnerung habe: Arkadij Naiditsch hat sich mehrfach geweigert, mit verschiedenen Personen, die durchaus zum Dialog bereit waren, zu kommunizieren. Deshalb wurde Sven Noppes (Mannschaftsführer OSG Baden-Baden) von mir wiederholt um Vermittlung gebeten.

6. Die Holprigkeiten betreffend Unterzeichnung des Spielervertrags kann ich bestätigen, auch wenn der Sachverhalt sich aus DSB-Sicht etwas anders darstellt. Ein substanzieller Streitgrund bestand nicht, da die Holprigkeiten keinerlei Nachteile für die Spieler enthielten. Die anderen Spieler haben die vom DSB vorgeschlagene Vorgehensweise, die sicher zu verbessern ist, akzeptiert. Es war den Spielern zugesagt worden, dass die noch vorhandenen Verfahrensmängel im kommenden Frühjahr gemeinsam thematisiert und beseitigt werden sollten. Die von Arkadij Naiditsch vorgetragene Kritik entbehrt zwar nicht jeder Grundlage, aber sie ist überzogen und irrelevant für die Öffentlichkeit. Außerdem war sie bisher gar nicht Gegenstand der Auseinandersetzungen und wirkt deshalb etwas weit hergeholt!

7. Die Aussage „Anstatt professionell zu arbeiten und seine strukturellen Mängel zu beseitigen, konzentriert sich die DSB-Spitze derzeit darauf, in der Öffentlichkeit unfruchtbare Diskussionen und Interviews zu führen, um offensichtlich alte Rechnungen zu begleichen“ weise ich zurück. Hier greift das gute alte Sprichwort: „Ein jeder greife sich an seine eigene Nase“!

8. Mit Freude vernehme ich die Bereitschaft eines Nationalspielers, sich für das Jugendtraining einzubringen. Leider wird verschwiegen, dass zumindest die mir bekannten Kooperationsangebote mit indiskutablen Honorarforderungen einhergehen, die weit außerhalb dessen liegen, was für voll ausgebildete und lizenzierte Trainer laut Honorarordnung des DSB aus Mitgliedsbeiträgen gezahlt werden kann, geschweige denn für Spieler ohne jegliche Trainerlizenz. Sollte es freundliche Sponsoren geben, die diese Forderungen zu erfüllen bereit sind, kommen wir gerne auf das Angebot zurück!

9. Völlige Einigkeit stelle ich fest für den Wunsch von Arkadij Naiditsch, die Nationalmannschaft stärker in die Popularisierung von Schach in Deutschland einzubinden. Vorbildliches Auftreten der Nationalspieler in der Öffentlichkeit wäre die beste und sogar absolut notwendige Voraussetzung dafür.

10. Es ist auch meine Hoffnung, dass der Deutsche Schachbund in der Zukunft weiterhin mit der stärksten Mannschaft vertreten sein wird. Der Terminus „unter professionellen Bedingungen“ weckt in mir vor allem den Wunsch, dass das öffentliche Auftreten der Nationalspieler, insbesondere von Arkadij Naiditsch, professioneller wird. Konkret meine ich damit wertschätzenden und vertrauensvollen Umgang mit den Partnern beim DSB!

11. Abschließend bewerte ich die vorliegende Presseerklärung als ersten Hoffnungsschimmer. Wirkliche Fortschritte kann es aber nur geben, wenn Arkadij Naiditsch sich mit den betroffenen Personen zu einer offenen Aussprache an einen Tisch setzt, um die im Raum stehenden Vorwürfe und Beleidigungen auszuräumen und eine neue Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen zu lassen. Bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Wenn bei Arkadij Naiditsch ernsthaftes Interesse besteht, diesen Weg einzuschlagen, stehe ich gerne dafür zur Verfügung!

Herbert Bastian, DSB-Präsident

Veröffentlicht von Raymund Stolze

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